Erfahrungslernen und Erfahrungsorientierte Therapie in der Psychosomatik.

Erfahrungsorientierte Therapie
Forschung und Lehre auf der Wollmarshöhe

Ein Schwerpunkt unserer Klinik ist die erfahrungsorientierte Therapie (EOT). Sie hat zum Ziel, unbewusste, automatisierte Denk-, Fühl-, Verhaltens- und Handlungsmuster zu optimieren oder dysfunktionale durch funktionale zu ersetzen. Diese Selbstheilungsprozesse gehen tief und können am wirkungsvollsten übers eigene Erleben/Erfahren in Gang gebracht werden, wenn das ganze System – Körper, Seele und Geist und alle Sinne – in Bewegung ist und Veränderungsblockaden außer Kraft gesetzt werden.

Damit der Patient diese heilsamen „Primärerfahrungen“ machen und alte, für die Gegenwart unbrauchbare Verhaltensmuster gegen nützliche eintauschen kann, bedarf es eines besonderen Settings, das beispielsweise bei der psychophysischen Exposition auf dem Hochseilgarten oder beim therapeutisch-intuitiven Bogenschießen gegeben ist.

Bei diesen in unserer Klinik angewandten Verfahren bewirkt die ungewohnte Situation, Herausforderung und Perspektive, die der Patient jeweils einnimmt, in Kombination mit der Fokussierung auf ein bestimmtes Thema (initiiert und sicher begleitet vom Therapeuten) beim Erfahrenden einen emotional aufgewühlten Zustand. „Bewegung“ ist ins System gekommen und das ist gut so. Sie verhindert, im System das Wahrgenommene rational-kognitiv zu erklären und da stehen zu bleiben, und ermöglicht so, neue, korrigierende Erfahrungen zu machen.

Basiskompetenzen erkennen, fördern und stabilisieren.

Bearbeitet werden so z. B. Vertrauensfragen, Verlustängste, Konzentrationsmangel, Denkbarrieren, mentale Blockaden oder andere zementierte Strukturen, wie hinderliche Glaubenssätze. Bei EOT lässt sich der Mensch auf positive Veränderungen ein und gewinnt Handlungskompetenz und Selbstwirksamkeit (zurück). Auf diese Weise werden „Basiskompetenzen“ spürbar, trainiert und ausgebaut: Urteils- und Entscheidungskraft, Zielstrebigkeit, Durchsetzungsvermögen, Stresstoleranz und Leidensfähigkeit, Ambiguitätstoleranz, Empathie und Wahrnehmungskraft, Wertschätzungspotenzial, Kommunikationsfähigkeit, Konflikt- und Konsensfähigkeit sowie generelle soziale Kompetenzen.

Zur Wirksamkeit psychophysischer Expositionsverfahren haben wir eine 15-monatige Studie mit anschließender Evaluationsstudie durchgeführt. Hier bestätigte sich der positive Einfluss der o. g. Verfahren innerhalb des von uns gewählten integrativen Therapiekonzeptes auf die Behandlungsqualität und -quantität.

Hintergrund: „Systemkonzeption Mensch“.

Eine Erfahrung ist ein Erlebnis, welches durch emotionale, kognitive und körperliche Wertung in das Selbst der „Systemkonzeption Mensch“ implementiert wird. Dies ist ein sehr komplexer Vorgang, den sich das Erfahrungslernen und die Erfahrungsorientierte Therapie zunutze machen, um die Funktionalität in der Körper-Seele-Geist-Einheit wiederherzustellen, Anpassungsfähigkeit und Basiskompetenzen zur Bewältigung von Veränderungen im Leben zu trainieren.

Das ist auch die Basis persönlicher Selbstorganisation. Je tragfähiger und stabiler sie ist, desto schneller können wir darauf aufbauen. Mittels individuell entwickelter Fähigkeiten und Kompetenzen bildet sie das tragende („Erfahrungs-“)Repertoire, auf das wir jederzeit zurückgreifen können. Es gibt uns Selbstsicherheit und Selbstvertrauen.

Vertiefende Informationen zum Erfahrungslernen und Erfahrungsorientierter Therapie, die auf der Wollmarshöhe maßgeblich entwickelt wurden, in der Klinik in der Therapie und im Seminarbereich zu Weiterbildungszwecken wirksam eingesetzt werden, finden Sie unter Forschung/Lehre.

Buch zum Thema

Wenn Sie das Thema vertiefen möchten, können Sie auf den folgenden Sammelband, herausgegeben von Kilian Mehl, zurückgreifen:

Erfahrungsorientierte Therapie. Integrative Psychotherapie und moderne Psychosomatik, Heidelberg (Springer) 2017. Hier sind Sammelband und E-Book erhältlich.

Warum EOT für Sie interessant sein könnte?

  • unbrauchbare/blockierende Verhaltensmuster werden korrigiert und Basiskompetenzen gestärkt

  • die ganzheitliche Methode stabilisiert das Fundament für die persönliche Selbstorganisation

  • es handelt sich um ein evaluiertes Verfahren, dessen Wirksamkeit wissenschaftlich nachgewiesen ist

Studienergebnisse

247 Patienten (Hochseilbegeher vs. Nichtbegeher) wurden bzgl. der Wirkimpulse und Effektstärken durch die psychophysische Exposition auf dem Hochseilgarten untersucht.

Ergebnis: In Bezug auf Gesamtbeeinträchtigung, Depressivität, Ängste, Kontrollüberzeugungen und Selbstwirksamkeit gab es hohe Besserungsraten mit starken Effekten (> 0,8). Die hohe Effektivität belegt die Effizienz und Praktikabilität des Verfahrens.

In einer weiteren Studie zur Wirksamkeit des therapeutisch-intuitiven Bogenschießens gab es ein ähnliches Resultat: Auch hier wurde die nachhaltig positive Wirkung des Therapiemoduls belegt.

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