Unser Körper kommt ohne Bedienungsanleitung. Und trotzdem erwarten wir, dass alles einfach funktioniert. Warum es sich lohnt, sich selbst ein bisschen besser kennenzulernen.
Niemand hat uns erklärt, wie wir gebaut sind. Und trotzdem erwarten wir von uns, dass alles einfach läuft.
Dass wir ruhig bleiben, wenn es eng wird. Dass wir schlafen, wenn wir müde sind. Dass wir wissen, was wir brauchen. Und wenn es dann doch nicht funktioniert, sind wir überrascht – oder enttäuscht von uns selbst.
Dabei lohnt es sich, den Menschen ein bisschen besser kennenzulernen – den Körper, die Gedanken und die Gefühle. Nicht, um perfekt zu werden. Sondern um sich selbst besser zu verstehen.
Stellen Sie sich vor, Sie kaufen einen Rasenmäher. Wahrscheinlich würden Sie erst einmal nachlesen oder schauen, wie das Gerät funktioniert, bevor Sie es benutzen. Ganz selbstverständlich. Niemand käme auf die Idee, das für übertrieben zu halten.
Bei uns selbst machen wir das erstaunlich selten. Wir benutzen uns jeden Tag – unseren Körper, unsere Aufmerksamkeit, unsere Kraft – und lesen doch fast nie nach, wie wir eigentlich „funktionieren“. Meist fangen wir erst damit an, wenn etwas nicht mehr geht.
Je mehr Sie darüber lernen, wie Sie als Mensch funktionieren, desto leichter erkennen Sie, warum Sie in bestimmten Situationen so oder so fühlen oder reagieren. Warum manches Sie sofort auf die Palme bringt und anderes an Ihnen abperlt. Warum Sie an bestimmten Stellen immer wieder in dieselbe Sackgasse laufen.
Das ist kein Urteil über Sie. Es ist eine Beschreibung Ihrer Bauweise. Und wer seine Bauweise kennt, kann die entscheidende Frage stellen – nicht „Was stimmt nicht mit mir?“, sondern: Wo könnte ich etwas verändern?
Verständnis für die eigene Bauweise heißt nicht, sich zu analysieren, bis nichts mehr übrig bleibt. Es heißt, drei Dinge kennenzulernen, die uns täglich steuern:
Wie Sie auf Druck, Kritik, Nähe oder Stille reagieren – und woher diese Reaktionen kommen. Meist sind sie älter, als die Situation es vermuten lässt.
Was Sie wirklich brauchen, um gut zu funktionieren: Ruhe, Bewegung, Verbindung, Anerkennung, Klarheit. Bedürfnisse, die man nicht kennt, melden sich trotzdem – nur auf Umwegen.
Die kleinen Automatismen, die den Tag tragen – oder ihn belasten. Sie laufen unbemerkt. Genau deshalb lohnt es sich, sie einmal bewusst anzuschauen.
Selbstoptimierung will, dass Sie besser werden. Selbstentwicklung will, dass Sie sich verstehen. Das klingt ähnlich – und führt in entgegengesetzte Richtungen.
Je mehr Sie sich mit Ihrer eigenen Funktionsweise beschäftigen, desto mehr tun Sie für Ihre persönliche gesundheitliche Meisterschaft. Nicht, weil Sie dann alles im Griff hätten. Sondern weil Sie früher merken, wann etwas aus dem Gleichgewicht gerät – und weil Sie wissen, wo Sie ansetzen können.
Diese Erfahrung machen wir immer wieder bei unseren Patientinnen und Patienten. Viele kommen mit der Erwartung, repariert zu werden. Und gehen mit etwas Wertvollerem: einer Vorstellung davon, wie sie gebaut sind. Das ist die Gebrauchsanweisung, die niemand mitgeliefert hat. Man schreibt sie selbst – und man schreibt sie nicht allein.